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RX_LOS vs. No RX_LOS bei SFP-RJ45-Modulen

Kurzfassung

RX_LOS (Receive Loss Of Signal) ist eine Statusleitung, über die SFP-Module dem Host (Switch, Router, Firewall) melden, ob ein gültiges Empfangssignal anliegt. Bei optischen SFPs ist das eindeutig definiert. Bei SFP-RJ45-Modulen (Kupfer-Transceiver mit integriertem PHY) wird dieses Signal unterschiedlich implementiert ? das führt in der Praxis häufig zu Port-Problemen, wenn Host und Modul das Signal unterschiedlich interpretieren.

Was ist RX_LOS?

  • RX_LOS aktiv (High) ? Modul empfängt kein gültiges Signal ? "Loss of Signal"
  • RX_LOS inaktiv (Low) / No RX_LOS ? Modul empfängt ein gültiges Signal, Zustand normal

Der Host wertet dieses Signal über die SFP-Pins (Pin 8, je nach MSA-Spezifikation) aus, um z. B.:

  • den Link-Status zu setzen,
  • Fehlermeldungen zu loggen,
  • bei manchen Systemen den Port automatisch zu deaktivieren, solange kein Signal anliegt.

Besonderheit bei SFP-RJ45-Modulen

Optische SFPs haben eine Photodiode ? "kein Licht empfangen" ist technisch eindeutig. Bei Kupfer-SFPs (1000BASE-T über RJ45) gibt es kein optisches Signal, das verloren gehen kann. Stattdessen wird RX_LOS über den internen Mini-PHY-Chip emuliert:

Variante Verhalten
RX_LOS gemappt auf PHY-Link RX_LOS wird gesetzt, solange kein Link-Up zum angeschlossenen Kupfer-Endgerät besteht (Auto-Negotiation nicht abgeschlossen). Sobald Link-Up vorhanden ist, wird RX_LOS deaktiviert.
No RX_LOS / RX_LOS nicht implementiert Modul legt die Leitung fest auf einen Zustand (meist dauerhaft "kein Loss" = OK), unabhängig vom tatsächlichen Kupfer-Link-Status. Manche Varianten mappen stattdessen auf einen anderen Pin oder ignorieren die Leitung komplett.

Warum das ein Problem sein kann

Nicht alle Hersteller werten RX_LOS bei Kupfermodulen gleich aus:

  • Manche Switches/Firewalls verlangen ein korrektes RX_LOS-Verhalten, um den Port überhaupt als "Link Up" zu erkennen. Bei einem "No RX_LOS"-Modul bleibt der Port dann dauerhaft auf Down, obwohl physisch ein Link zum Endgerät besteht.
  • Andere Hersteller ignorieren RX_LOS bei Kupfermodulen komplett und lesen den Link-Status stattdessen direkt über I2C/MDIO vom PHY.
  • Deshalb existieren am Markt häufig zwei Varianten desselben SFP-RJ45-Moduls:
    • eine mit "echtem" RX_LOS-Mapping auf den PHY-Link (kompatibler mit strengen Hosts),
    • eine "No RX_LOS"-Variante bzw. mit LOS dauerhaft deaktiviert (kompatibler mit Hosts, die RX_LOS bei Kupfer nicht erwarten oder falsch interpretieren).

Symptome in der Praxis

  • Port bleibt auf "Down", obwohl das Kabel korrekt gesteckt und das Endgerät aktiv ist.
  • Link kommt nur sporadisch oder gar nicht hoch, je nach Reihenfolge von Modul-Einstecken und Kabel-Anschluss.
  • Unterschiedliches Verhalten bei baugleichen Modulen unterschiedlicher Chargen/Hersteller.

Troubleshooting-Ansatz

  1. Prüfen, ob der Host-Switch/Firewall-Hersteller RX_LOS bei Kupfer-SFPs auswertet (Dokumentation/Release Notes prüfen).
  2. Falls verfügbar: Modul-Variante mit "RX_LOS on Link" statt "No RX_LOS" beschaffen (oder umgekehrt, je nach Host-Verhalten).
  3. Bei Modulen mit konfigurierbarem EEPROM: Hersteller-Tool prüfen, ob RX_LOS-Verhalten umschaltbar ist.
  4. Alternativ: Herstellerkompatibilitätsliste des Switches/der Firewall konsultieren ? viele Hersteller listen explizit freigegebene SFP-RJ45-Module.

Verwandte Themen

  • SFP MSA-Spezifikation (Pinbelegung, DOM/DDM)
  • Kompatibilität von Fremd-SFPs (Vendor-Lock, EEPROM-Coding)